Köcher auf Reisen

Zu Lande, zu Wasser und im Keller

Moinsen,

China liegt hinter uns und der neue Abloeseplan prophezeit, dass ich am 29.01. von Spanien nach Hause fliegen soll.
So langsam steigt die Vorfreude :-)

Gruss aus der Singapurstrasse
Stefan

Received: from MPD at Globe Wireless;
Thu, 12 Jan 2012 16:01 UTC
Message-id: 914755846

Auch wenn das hier nicht das 6-Tage-Rennen ist. Ich bin unterwegs in der letzten Runde. Ok, es sind ja auch nur zwei Runden und eine dauert immerhin ca. 10 Wochen. Aber solangsam beginnt das Schielen auf den Abloeseplan. Der letzte kam vor ein paar
Tagen an. Da steht ich komme Anfang Februar nach Hause. Nach der Erfahrung vom letzten Dampfer heisst das zwar noch nichts, aber ich bin guter Dinge, dass es der 02.02. in Hamburg werden wird.
Apropos Hamburg. Danke fuer die Besuche und Lakritzlieferungen. Das war mal eine Abwechslungsreiche Zeit im Vergleich zum Bordalltag. Hier hat sich heute ein Wechsel in der Fuehrung ergeben. Der neue Chief ist an Bord und der Schiffsmechaniker wird
auch abgeloest. In Rotterdam ging der zweite Ing. und mit jedem der geht, ruecke ich weiter nach oben auf der Abloeseliste :-)
Momentan passieren wir den Suezkanal. Ich habe mal wieder Wache und beobachte recht gelangweilt all die lustigen Zeiger und Zahlen im Kontrollraum.

Weihnachten rueckt langsam naeher….
Gruss Stefan

Received: from MPD at Globe Wireless;
Sun, 11 Dec 2011 06:02 UTC
Message-id: 902073631

go for Gold in 88 Lalalalalalalala…. Ich weiss den Text nicht weiter. Aber trotzdem klingelt dieser fast aktuelle Olympiasong schon den ganzen Tag in meinen Ohren. Vielleicht hat es was damit zu tun, dass wir gerade in Suedkorea Kwanyang (???-ob das
wohl richtig geschrieben ist) und Pusan (heisst manchmal auch Busan oder anders) waren. Jetzt sind wir schonwieder auf dem Weg nach China. Bei angenehmen Temparaturen gibt es nichts Grosses zu berichten. Zur taeglichen Routine kommt gerade noch die
Ueberholung von den Hilfsdieseln dazu, aber das ist ja eine spannende Abwechselung,,,

Gruss und bis denn dann
Stefan

23/10/2011 2100 LT Pos. Auslaufen Pusan

Received: from MPD at Globe Wireless;
Sun, 23 Oct 2011 12:01 UTC
Message-id: 684179031

01.10.11, Pos. Suezkanal
Meine erste Kanaldurchfahrt! Allerdings habe ich die erste H?lfte im Keller verbracht und davon so gut wie nichts mitbekommen. Da aber Samstag ist und ich meine Inventuren und w?chentlichen/monatlichen Checks und so fast fertig habe, gucke ich mir die
zweite H?lfte der Durchfahrt von meiner Kammer aus an. Viel Platz ist hier wenig, aber es reicht. Die Schiffe fahren von beiden Seiten gleichzeitig in den Kanal ein, treffen sich in der Mitte in einem See und die eine Gruppe l?sst die andere ankernder
Weise passieren. Auf der ?gyptischen Seite sieht man ab und an Stra?en, H?user und so. Auf der anderen Seite immerhin ein Kraftwerk und ansonsten Sand/W?ste.
06.10.11, Pos. geheim
15 Tage sind um und es kehrt langsam Routine ein. Ich habe zwar die Inventur der Ersatzteile noch lange nicht fertig, daf?r aber schon eine Ahnung was etwa da – und vor allem wo – ist. Etwas Abwechslung in den Bordalltag brachte das Basketballturnier
am letzten Sonntag. Von den vier 3er Teams belegte mein Team Platz zwei. Ich hab zwar keinen Korb geworfen, daf?r aber nach alter Handballmanier verteidigt. Heute kam der neue Abl?seplan an. Danach soll ich am 20.01. aussteigen. Aber das ist noch weit
weg und wird sich wohl auch noch ?ndern.

Received: from MPD at Globe Wireless;
Sat, 08 Oct 2011 11:56 UTC
Message-id: 584234136

Moin moin,

ich wollte nur mal gucken, ob das mit dem Posten via mail klappt.

Freue mich auf Rueckmeldungen
Stefan

Nachdem ich früh im Bett war, bin ich schon vor dem Wecker aufgestanden. Der Tag begann mit dem Peilen aller Brennstofftanks. Größtes Problem dabei war alle Peilstutzen zu finden. Außerdem funktioniert eine von den Füllstandsanzeigen nicht. Mit dem Brennstoffpumpen und der Beendigung der Ölanalysen sowie der Fortsetzung der Wasseranalysen war der Tag auch schon wieder um. Wenn ich nicht einen Großteil meiner Zeit am Suchen wäre (Danke an meinen Vorgänger für das Chaos), könnte ich einiges mehr schaffen. Um 1800 gab es noch eine Videounterweisung über Schiffssicherheit und nun ich hoffe, dass nach der Sicherheitsrunde um 2200 der Tag mit einer alarmfreien Nacht enden wird.

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(Email von Stefan)

Der Arbeitstag war sonntäglich kurz. Mit dem Schiffsmechaniker habe ich – nach einem Besuch meiner Anlagen – zuerst die Filter der drei Schwerölseparatoren gereinigt. Danach noch Brennstoffpumpen und die Fortsetzung der Analysen vom Vortag, schon war es 1200. Nach dem Mittagessen und etwas Festplatten-TV, habe ich mir mal die Gegend von der Brücke aus angeschaut. Links Europa, rechts Afrika und in der Mitte etwas Wasser und einige Schiffe. Wobei selbst größere Fähren von da oben echt niedlich aussehen. Allein die Brückennock bietet mehr Platz als so mancher Reihenhausgarten. Und das was nach vorn aussieht wie der Lagerplatz eines Containerterminal im Hamburger Hafens gehört alles noch zum Schiff..

Karte

(Email von Stefan)

Der Morgen begann etwas früher als gedacht. Während meiner ersten Wache holte mich ein Bilgealarm um 0600 aus dem Bett. Leider fangen die Kollegen am Wochenende auch erst um 0800 an, so dass ich selbst in die Tiefen des Kellers hinabsteigen musste. Nachdem die Bilge wieder leer war, lohnte sich das Bett nicht mehr. Also duschte ich gemütlich. Gerade aus der Dusche raus klingelt der nächste Alarm. Diesmal war es ein Kommunikationsproblem im Netzwerk, das sich schon erledigt hatte als ich im Keller ankam. Die reguläre Arbeit startete mit dem Check der Sicherheitseinrichtungen (Bilge- und Tankalarme, Test des Notdiesels und der Rettungsbootsmotoren,..) und war mit der Analyse von Schmierölproben und Wasserproben, dem täglichen Brennstoffpumpen, sowie der Feuerlöschübung auch schon zu Ende. Abgesehen vom 20. Geburtstag des Schiffsmechanikers also ein eher ruhiger Tag.

Karte

(Email von Stefan)

Die Nacht war kurz und doppelt. Ich hatte den 3E bei seiner Sicherheitsrunde um 2200 begleitet. Die Runde dauert ca. eine Stunde und als wir gerade damit fertig waren fragte ich ihn, wann wir denn den Brennstoff umstellen werden. Auf seine Nachfrage bei der Brücke hieß es 2330. Hmm, na gut ich geh kurz auf meine Kammer, trinke ein paar Schluck Wasser und bin wieder im Maschinenkontrollraum. Unterwegs treffe und informiere ich den Chief im Fahrstuhl. Die Umstellung des Brennstoffs bedeutet ca. 20 Ventile in verschiedenen Ecken des Maschinenraums in der richtigen Reihenfolge unter Beachtung der Temperaturen, Drücke und Viskosität zu öffnen oder zu schließen. Da ich die Ventile alle den Tag über schon gesucht hatte, klappte die Umstellung (ich dreh an den Dingern und der 3E schaut mir über die Schulter) ohne Probleme. Gegen 0030 war ich wieder auf meiner Kammer, legte mich auf die harte Matratze und machte die Augen zu. Etwas irritiert und nicht ganz sicher ob ich gemeint bin, ging ich um 0300 schlaftrunken ans Telefon. Der 3E ist dran und erzählt was von “high” und “Alarm”. In der Vermutung, dass einer der Tanks etwas wärmer ist als geplant, treffe ich ihn im Maschinenkontrollraum und erfahre, dass es nicht die Temperatur, sondern der Füllstand ist. Von den beiden Setztanks für das Schweröl ist der, den wir nun gerade nicht benutzen in der Nacht langsam voller geworden. Erst irritiert und am Rohrleitungsplan gucken, später mit Plan und Blaumann im Keller ist das Problem auch gefunden und abgestellt. Einer der Rückläufe, die bei der Umstellung laut Plan zu öffnen sind, sollte meiner Meinung nach besser zu bleiben. Um 0400 liege ich wieder im Bett und warte schon auf den Wecker, der mir um 0700 verrät, dass es wieder an die Arbeit geht. Wobei der Arbeitstag bei mir aus etwas Brennstoffpumpen, Behebung einer kleinen Leckage und Umstellung der Separatoren und dem Maschinenkennenlernen bestand. Alles ohne nennenswerte Zwischenfälle. Mal schauen was meine erste Nacht als Wach-Ing. bringen wird. Aber vorher gibt es erstmal Futter, Duschen und ein wenig Ruhe.

(Email von Stefan)

Der Wecker hat mich gestern um 0300 aus dem Schlaf geholt. Aber so richtig schlafen konnte ich eh nicht. Immer wieder stellte sich mir die Frage: “Hab ich was vergessen?” Wer weiß. Also raus aus dem Bett und kurz geduscht, Klamotten an, noch einen Kaffee und dann warten auf den Stanze, der freundlicherweise mein Taxi zum Flughafen Hannover war. Check-In, Kaffee, warten in der Schlange für die Gepäckaufgabe – kein Handgepäck und 33kg in zwei Gepäckstücken, sollten für 4 Monate reichen – und dann war ich auch schon ausgerufen. Flugzeug hoch – O-Saft und Keks – Flugzeug runter war ich auch schon in Amsterdam. Erst hab ich den Agenten/Taxifahrer nicht gefunden, konnte ihn aber doch noch ausfindig machen und nach einem Zwischenstopp bei der Einwanderungsbehörde ging es auch schon zum Hafen nach Rotterdam. Gegen 1045 war ich auf dem Schiff ab 1100 mit Blaumann im Keller. Erstmal vorstellen und gucken wie das alles aussieht. (Besser hab ich das noch nicht gesehen – zumindest auf den ersten Blick) Mein Vorgänger hat mir ein Handover hinterlassen, das allenfalls einen Heizwert beim Grillanzünden liefert. Außerdem lag er noch im Bett, weil die Nacht hindurch Brennstoff gebunkert wurde. Er ist dann nach dem Mittag mit mir eine schnelle Runde durch den Maschinenraum und war gegen 1700 mit seiner Abreise beschäftigt. Mit ca. 3 Stunden also die bisher längste Übergabe an mich.

Heute habe ich damit angefangen die Ventile für das tägliche Brennstoffpumpen zu kontrollieren. Mit den Ventilen sieht´s gut aus, allerdings sind die Temperaturen noch nicht da wo ich sie gern hätte. Pumpen klappt zwar, aber nicht gut. Außerdem war ich dabei als der LT-Kühler #2 auf Rückspülung umgestellt wurde, hab mir zeigen lassen wie der Frischwassererzeuger angestellt wird, wurde in die Sicherheitseinrichtungen des Schiffes eingewiesen, habe alte Bunkerproben aussortiert, die Bunker- und Setztankheizungen und Vorwärmer der Purifier verstellt und bereite mich darauf vor, dass irgendwann in der Nacht die Umstellung von schwefelarmen auf normales Schweröl erfolgen soll.

Aber was langweile ich Euch mit dem ganzen Technikgedöns: Ich bin gut angekommen. Das Schiff sieht gut gepflegt aus, alle Kollegen sind offen und freundlich. Wenn das so weitergeht wird´s eine angenehme Reise. Ach, die Route wird sich wohl ändern. Soweit ich das bisher mitbekommen habe fahren wir jetzt non-stop nach Singapur. Mal schaun.

Karte

(Email von Stefan)